Immobilie geerbt in Brasilien Ein Leitfaden für Erben

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 Erste Schritte nach dem Erbfall

Der plötzliche Anruf oder Brief aus Brasilien ist da: Ein Verwandter ist verstorben und Sie sind Erbe einer Immobilie. Für viele Deutsche ist dies eine emotionale, aber auch bürokratisch herausfordernde Nachricht. Bevor Sie voreilige Entscheidungen treffen, sollten Sie Ruhe bewahren und sich einen klaren Überblick verschaffen. Die brasilianische Rechtsordnung unterscheidet sich grundlegend von der deutschen, insbesondere was das Erbrecht und das Eigentumsrecht an Grundstücken betrifft. Es ist daher essenziell, zuerst Kontakt mit einem deutschen Notar aufzunehmen, um den Erbschein zu beantragen, der Ihre Position als Erbe legalisiert.

2. Die Bedeutung der Immobilie verstehen

Eine Immobilie geerbt in Brasilien zu haben, ist mehr als nur der Besitz von vier Wänden in der Sonne. In Brasilien ist der Grundbesitz oft mit komplexen sozialen und rechtlichen Rahmenbedingungen verbunden. Beispielsweise kann es sein, dass auf dem Grundstück noch Altlasten aus früheren Besitzverhältnissen ruhen oder dass es in einer Region liegt, in der die Grundstücksdokumente nicht immer den aktuellen Besitzer korrekt widerspiegeln. Es ist wichtig zu verstehen, dass mit dem Erbe nicht nur Rechte, sondern auch alle damit verbundenen Pflichten auf Sie übergehen, wie etwa offene Grundsteuern oder Instandhaltungsverpflichtungen.

3. Das notarielle Verfahren vor Ort

In Brasilien läuft die Umschreibung des Eigentums in der Regel nicht wie in Deutschland über das Grundbuchamt, sondern primär über ein Notariat, das “Cartório”. Hier muss der deutsche Erbschein übersetzt, beglaubigt und apostilliert werden, bevor er von einem brasilianischen Gericht anerkannt wird. Dieser Prozess, genannt “Inventário”, kann gerichtlich oder außergerichtlich erfolgen. Die außergerichtliche Variante ist oft schneller, setzt aber voraus, dass sich alle Erben einig sind und einen gemeinsamen Anwalt beauftragen. Ohne professionelle Hilfe eines deutsch-brasilianischen Rechtsanwalts ist dieser Papierkrieg kaum zu bewältigen.

4. Steuerliche Pflichten und Fristen

Ein oft unterschätzter Aspekt beim Erbe einer Immobilie in Brasilien sind die steuerlichen Konsequenzen. In Brasilien fällt die “ITCMD” an, eine Erbschafts- und Schenkungssteuer, die je nach Bundesstaat unterschiedlich hoch ausfällt. Die Steuer muss angemeldet und bezahlt werden, bevor die Immobilie offiziell auf Ihren Namen umgeschrieben werden kann. Versäumen Sie hier die Fristen, drohen hohe Strafzinsen. Zudem sollten Sie prüfen, ob in Deutschland durch den Erwerb der Auslandsimmobilie steuerliche Meldepflichten entstehen, da diese dem deutschen Fiskus gegenüber anzugeben ist.

5. Nutzung oder Verkauf der Erbschaft

Wenn alle bürokratischen Hürden genommen sind, stellt sich die Frage nach der Zukunft der Immobilie. Möchten Sie das Objekt als Ferienhaus nutzen, langfristig vermieten oder doch lieber verkaufen? Der brasilianische Immobilienmarkt bietet Chancen, birgt aber auch Risiken für ausländische Investoren. Ein Verkauf kann sinnvoll sein, wenn die Unterhaltskosten zu hoch sind oder Sie sich nicht um die Verwaltung aus der Ferne kümmern möchten. Unabhängig von Ihrer Entscheidung gilt: Eine gründliche Due Diligence und die Zusammenarbeit mit vertrauenswürdigen lokalen Partnern sind der Schlüssel, um das Erbe erfolgreich zu verwalten.

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